Schüler lernen den Zusammenhang von Raumgestaltung und Lernerfolg kennen

Im Rahmen eines zweitägigen Projekts beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler einer sechsten Werkreal-schulklasse des Walter Knoll Schulverbunds mit dem Thema "Raum und Lernen". Federführend für dieses Projekt war die Architektin und Naturpädagogin Karin Dettmar von spiel raum planung, die bereits im letzten Schuljahr einen Projekttag hinsichtlich des geplanten Schulumbaus mit den Klassen 5 und 6 durchgeführt hatte. Bei der Umsetzung des aktuellen Projekts wurde Frau Dettmar von der Klassenlehrerin Christine Rothacher sowie vom Team der Schulsozial-arbeit/Haus Nazareth begleitet und unterstützt.

Im Verlauf des zweitägigen Projekts setzten sich die Schülerinnen und Schüler unter anderem mit verschiedenen Fragen auseinander, so z.B. mit den Fragen "Wo sitze ich gerne im Klassenzimmer und wieso?", "Wo fühle ich mich Klassenzimmer wohl und wieso?", und sie notierten ihre Antworten in einem vorbereiteten DokuBooklet. Am ersten Projekttag wurde zunächst einmal das Klassenzimmer komplett leergeräumt, und auch hier tauschten sich die Schülerinnen und Schüler über ihr Empfinden und Erleben des leeren Raums aus. Sie durften sich im Klassenzimmer ihren Lieblingsplatz aussuchen und diesen mit einer Schnur abgrenzen. Durch die individuellen Abgrenzungen wurde deutlich, dass die für das persönliche Wohlbefinden notwendige Raumfläche bei den Schülern sehr unterschiedlich ausfällt. Für die einen war eine geringe Fläche bereits ausreichend, wohingegen andere deutlich machten, dass sich nur mit einer größeren Raumfläche wohl fühlen können. Erfreulicherweise zeigte diese Übung aber auch, dass die vor-handene Raumfläche des Klassenzimmers den unterschiedlichen Bedürfnissen genügt. Weiterhin wurden gemeinsam verschiedene Raumchoreographien getestet, bei denen verschiedene Ordnungen im Klassenzimmer ausprobiert wurden. So trennten sich beispielsweise die Mädchen von den Jungen, stellten sich gegenüber, nebeneinander bzw. vermischten sich im Raum. Im Anschluss daran wurde reflektiert, in welcher Choreographie man sich am wohlsten gefühlt hatte bzw. in welcher Konstellation man sich am besten konzentrieren und gemeinsame Aufgaben lösen kann. Am Ende des ersten Projekttages wurde noch eine gemeinsame Malaktion, die von unterschiedlichen Musikstücken begleitet wurde, mit den Schülern umgesetzt.  

Zu Beginn des zweiten Projekttages wurde mit einer erlebnispädagogischen Übung gestartet, bei der die Schüler in einem roten Band die Erfahrung machten, wie wichtig jeder Einzelne für den Erhalt des Gleichgewichts im Klassengefüge ist. Danach konnten die Schüler mittels einer Phantasiereise in ihre persönliche Traumschule erfahren, welche räumlichen Elemente für sie eine große Bedeutung spielen. In der Nachbearbeitung dieser Phantasiereise wurde deutlich, dass die Atmosphäre eines dreidimensionalen Lernraums durch verschiedene Faktoren, wie z.B. Gestaltung (Möblierung, Farbgebung, Akustik, Geruch, Klima, Belichtung) begünstigt wird und sie erfuhren, dass sich dies auch wesentlich auf den persönlichen Lernerfolg auswirken kann. Davon ausgehend wurden fünf Gruppen gebildet, die sich dem Modellbau des für sie idealen Klassenraumes widmeten. Die Schüler erhielten hierzu verschiedene Materialien, wie z.B. Pappe, Stoff, Ton, die sie für den Bau ihres jeweiligen Modells einsetzen konnten. Die entstandenen Modelle stellten vor allem die Kreativität und auch das handwerkliche Geschick der Schüler unter Beweis, und sie machten deutlich, dass der bisherige Klassenraum auf jeden Fall eine Veränderung erfahren muss. In den vorliegenden Modellen wurden teilweise neue Raumelemente, wie z.B. Ruhezone mit Sofa, abgetrennte Lernbereiche durch Regale aus Raumteiler, eingefügt. Nach einer ausführlichen Präsentation der Gruppenergebnisse wurde gemeinsam überlegt, wie das Klassenzimmer mit dem vorhandenen Material eingerichtet wird, so dass schrittweise eine Verbesserung der Raumqualität erreicht werden kann. Beim Einräumen des Klassenzimmers wurden die Ideen und Anregungen der Schüler entsprechend aufgegriffen und direkt umgesetzt. Es zeigte sich, dass nicht alle Wünsche zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits realisiert werden können, aber hinsichtlich der Farbgestaltung des Raumes und der Raumausstattung wurde festgehalten, was in Zukunft noch benötigt wird. 

Die Schüler haben durch dieses Projekt erfahren, dass sie mit ihren Wünschen und Ideen ernst genommen werden, und sie konnten im Verlauf des Projekts auch für sich feststellen, welchen Einfluss die Raumqualität auf ihr persönliches Wohlbefinden im Klassenzimmer, in der Schule und im Pausenhof nimmt. Das Projekt war für alle Beteiligten eine tolle Erfahrung und ein besonders herzlicher Dank geht an dieser Stelle nochmals an Frau Dettmar, die mit viel Herzblut und Begeisterungsfähigkeit das Projekt angeleitet und umgesetzt hat. 

Wassertopfspiel als Warm up zu Beginn des Projekts (Foto: Kijubu) 
Wassertopfspiel als Warm up zu Beginn des Projekts (Foto: Kijubu)
Wir überlegen uns, an welchem Ort wir uns im Klassenzimmer wohlfühlen (Foto: Kijubu) 
Wir überlegen uns, an welchem Ort wir uns im Klassenzimmer wohlfühlen (Foto: Kijubu)
Warm up "Wir spiegeln unser Gegenüber" (Foto: Kijubu) 
Warm up "Wir spiegeln unser Gegenüber" (Foto: Kijubu)
Das "Rote Band" zeigt uns, wie wichtig jeder Einzelne von uns ist. (Foto: Kijubu) 
Das "Rote Band" zeigt uns, wie wichtig jeder Einzelne von uns ist. (Foto: Kijubu)
Frau Dettmar gibt uns Informationen zum Projektablauf (Foto: Kijubu) 
Frau Dettmar gibt uns Informationen zum Projektablauf (Foto: Kijubu)
Unser persönlicher Raumbedarf im Klassenzimmer (Foto: Kijubu) 
Unser persönlicher Raumbedarf im Klassenzimmer (Foto: Kijubu)
Gemeinsame Malaktion, die von unterschiedlichen Musikstücken begleitet wird (Foto: Kijubu) 
Gemeinsame Malaktion, die von unterschiedlichen Musikstücken begleitet wird (Foto: Kijubu)
Band
Modellbau in verschiedenen Gruppen mit anschließender Gruppenpräsentation (Foto: Kijubu) 
Modellbau in verschiedenen Gruppen mit anschließender Gruppenpräsentation (Foto: Kijubu)